Sep
07.
Ein Blick hinter die Kulissen der Stadtplanung am Beispiel Neuss
Einen Monat vor dem Ende der Gartenschau luden die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (AKNW) und die Stadt Experten ein, um Bilanz zu ziehen.
Es ging um die Frage, was nach dem großen Fest von der Natur und den Gebäuden dauerhaft für die Bürger übrig bleiben soll. Die gezeigten Pläne sind allerdings noch nicht endgültig beschlossen, sondern stellen den aktuellen Planungsstand (Soll-Zustand) dar.
Der Blick in die Geschichte:Große Vorbilder der nachhaltigen Stadtentwicklung
Ein Höhepunkt der Tagung war der Rückblick auf vergangene und kommende Gartenschauen. Im Laufe der verschiedenen Vorträge und Fachbeiträge des Tages wurde bekannt, dass das Konzept einer Gartenschau seit Jahrzehnten ein wichtiger Motor für die nachhaltige Entwicklung von Städten ist. Dieser Gedanke steht in einer langen rheinischen Tradition, die schon in den 1920er Jahren begann:
• Das historische Fundament (Köln, 1920er):
Während der Tagung wurde als geschichtlicher Meilenstein aufgegriffen, wie der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer zusammen mit dem Stadtplaner Fritz Schumacher radikal durchsetzte, dass ehemalige militärische Festungsringe nicht gewinnbringend als Bauland verkauft, sondern in den Kölner Grüngürtel verwandelt wurden. Adenauer begründete damals wegweisend, dass Frischluftschneisen und großzügige Naturräume für die Gesundheit der Bevölkerung eine absolute Lebensfrage seien und Vorrang vor einer rein systematischen baulichen Ausnutzung haben müssten.
• Der Beitrag von Professor Stephan Lenzen:
An diese Tradition anknüpfend, legte Professor Stephan Lenzen (Präsident des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekt:innen - bdla) in seinem Fachvortrag den Fokus auf die konkreten Meilensteine und die Zukunft der Gartenschauen in Nordrhein-Westfalen, woran sich noch weitere Redner mit ihren Beiträgen anschlossen:
◦ Die Geburtsstunde in Hamm (1984):
Die allererste Landesgartenschau in NRW überhaupt fand 1984 in Hamm statt. Sie bewies wegweisend, wie eine völlig verwilderte Industriebrache (die ehemalige Zeche Maximilian) erfolgreich in eine dauerhafte, grüne Oase – den heutigen Maximilianpark – verwandelt werden kann. Das zeigt, dass eine kluge Nachnutzung auch Jahrzehnte später noch funktioniert und Identität stiftet.
◦ Das Paradebeispiel Koblenz (BUGA 2011):
Koblenz wurde als herausragendes Beispiel dafür genannt, wie sich eine Gartenschau nachhaltig und stetig weiterentwickeln kann. Dort verschmelzen moderne grüne Freiräume und Kulturräume harmonisch mit einem historisch erhaltenen Ambiente und Denkmalschutz für eine hohe urbane Lebensqualität.
◦ Der Ausblick auf Hamm (2027):
Die nächste große Gartenschau steht bereits in den Startlöchern. Die Stadt Hamm wird 2027 ein zentraler Standort der Internationalen Gartenausstellung (IGA Metropole Ruhr) sein und ihr Gartenparadies im Maximilianpark präsentieren. Als Partner steht auch hier die Architektenkammer NRW fest an der Seite der Planer, um zukunftsweisende und klimaresiliente Konzepte zu begleiten.
Was soll dauerhaft in Neuss entstehen?
Für Neuss bringt die LAGA langfristige Veränderungen, die weit über das Jahr 2026 hinausreichen sollen.
Die vorgestellten Planungen sehen im Kern Folgendes vor:
1. Vom Rennplatz zum Bürgerpark:
Das 38 Hektar große Areal der ehemaligen Galopprennbahn soll den Bürgern als riesiger Park erhalten bleiben.
2. Ein lebendiger Veranstaltungsort für Kultur und Sport:
Das Gelände soll in Zukunft keineswegs nur für das traditionelle Schützenfest genutzt werden. Vielmehr soll der Park als multifunktionaler Ort für vielfältige Events im Kultur- und Sportbereich dauerhaft etabliert werden. Eine zentrale Rolle soll dabei die im Osten liegende Sparkassen-Bühne spielen, die als moderne Open-Air-Plattform erhalten bleiben soll. Am Westeingang soll zudem das Globe Theater zusammen mit dem umgestalteten Tribünengebäude ein festes kulturelles Zentrum bilden.
3. Die geplante Wohnbebauung (Hammfeld I):
Direkt neben dem Park soll das alte Bürogebiet umgestaltet werden. Hier könnte Platz für bis zu 1.500 neue Wohnungen entstehen. Der Park soll damit zum „grünen Wohnzimmer“ für Tausende neue Nachbarn werden.
4. Erhalten statt Abreißen:
Im Sinne der Nachhaltigkeit wurden markante historische Gebäude nicht abgerissen. Die alten Ställe (der Hammfeldhof) wurden saniert und sollen als dauerhafte Treffpunkte für Vereine und Bürgerinitiativen im Park verbleiben.
Ein Fazit für die Zukunft
Die Fachtagung machte deutlich: Eine Landesgartenschau funktioniert wie ein Startschuss. Die eigentliche Detailarbeit entscheidet sich erst in den kommenden Planungsphasen nach dem anstehenden Rückbau.
Anmerkung der Redaktion:
Das Gelände ist für das laufende Event zwar nach dem System „Reisen für Alle“ zertifiziert, doch dieses rein touristische Siegel reicht für die Zukunft nicht aus Damit aus dem Gelände nach dem Rückbau ein echter „Bürgerpark für alle“ wird, müssen in den anstehenden Detailplanungen die gesetzlichen DIN-Vorschriften für den öffentlichen Raum (DIN 18040-3) zwingend und lückenlos nachgerüstet werden.
Von: Ilse K.Krämer
16.04.2026 bis 11.10.2026
Landesgartenschau Neuss, Neuss
23.04.2026 bis 11.10.2026
Leinefelde-Worbis, Leinefelde-Worbis
24.04.2026 bis 04.10.2026
Ellwangen BW, Ellwangen in Bden Württemberg
29.04.2026 bis 18.10.2026
Bad Nenndorf, Bad Nenndorf
23.09.2026 bis 26.09.2026