Jan
14.
Der Himmel ist klar, das Wetter stabil, der Wind genau richtig. Alles spricht für einengelungenen Tag auf dem Wasser – beim Tauchen, beim Segeln, beim Kreuzfahren – und trotzdem kippt die Stimmung an Bord schneller als erwartet. Noch bevor die ersten Seemeilen im Kielwasser liegen, kämpfen einige Mitreisende mit Übelkeit. Seekrankheit macht auch vor idealen Rahmenbedingungen keinen Halt und längst trifft es nicht nur Neulinge: Rund 30 Prozent der Menschen gelten als anfällig – unabhängig von Erfahrung oder Seemeilen.
Die Ursachen liegen dabei tiefer als nur bei einem „schwachen Magen“. Medizinisch zählt Seekrankheit zu den Bewegungskrankheiten. Sie entsteht, wenn Sinnesorgane widersprüchliche Informationen an das Gehirn senden. Während der Gleichgewichtssinn im Innenohr jede Bewegung des Schiffes registriert, sieht das Auge unter Deck scheinbar feste Wände und Böden. Der Tiefensinn meldet gleichzeitig, wie der Körper im Raum steht. Stimmen diese Signale nicht überein, gerät das Gehirn unter Stress – mit Schwindel, Übelkeit und Erbrechen als Folge.
Oft kündigt sich das Problem früh an. Müdigkeit, Trägheit, Gähnen oder Rückzug – das sogenannte Sopite-Syndrom – werden häufig übersehen. Erst später kommen Blässe, Kaltschweißigkeit, Kopfschmerzen und schließlich Übelkeit hinzu. Wer diese Anzeichen erkennt, kann rechtzeitig gegensteuern.
Eine zentrale Rolle spielt auch der Botenstoff Histamin. Er wird bei Stress und Bewegung vermehrt ausgeschüttet und beeinflusst Magen und Kreislauf. Histaminreiche Lebensmittel wie Rotwein, Käse, Nüsse oder Schokolade können die Symptome verstärken. Dass Antihistaminika zu den wirksamsten Medikamenten gegen Seekrankheit zählen, ist daher kein Zufall.
Doch Tabletten allein sind nicht die Lösung. Der wichtigste Faktor ist die Gewöhnung. Nach Stunden, spätestens nach wenigen Tagen, passt sich der Körper an die Bootsbewegungen an. Viele Menschen kennen den gegenteiligen Effekt nach längeren Seestrecken: Plötzlich schwankt das Land. Ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie lernfähig Körper und Gehirn sind und ein Ansatz, der zur Vermeidung von Seekrankheit genutzt werden kann
Auch die Psyche spielt eine entscheidende Rolle. Angst vor Seekrankheit erhöht den Stresspegel – und verschlimmert die Symptome. Wer das Schaukeln akzeptiert, sich innerlich darauf einstellt und für eine entspannte Atmosphäre an Bord sorgt, kommt meist deutlich besser zurecht. Humor, Ablenkung und gute Stimmung wirken oft stärker als jedes Wundermittel.
Mit genau diesem ganzheitlichen Ansatz beschäftigt sich auch die Bremer Ärztin und Seglerin Dr. Stefanie Kamke. Gemeinsam mit ihrem Co-Autor, Taucher und Weltumsegler Sönke Roever hat sie kürzlich das Buch „Seefit statt Seekrank“ veröffentlicht. Darin verbindet sie medizinisches Wissen mit psychologischen und praktischen Ansätzen aus dem Bordalltag – verständlich, fundiert und vor allem anwendbar.
Passend dazu hält Stefanie Kamke während der boot Düsseldorf zwei Seminare zum Thema Seekrankheit:
Samstag, 17. Januar 2026, sowie Samstag, 24. Januar 2026, jeweils von 14.30 bis 17.30 Uhr.
In den Seminaren geht es nicht nur um Theorie, sondern vor allem um konkrete Lösungen für die Praxis an Bord. Nach einer verständlichen Einführung werden unter anderem folgende Fragen behandelt: Was ist Seekrankheit? Wie entsteht sie? Wer ist besonders betroffen? Woran erkennt man frühe Warnzeichen? Und vor allem: Wie wird man „seefit“?
Im Praxisteil stehen Vermeidungs- und Behandlungsstrategien im Fokus – von medizinischen und psychologischen Aspekten über vorbereitenden Übungen und Trainingsmethoden bis hin zu effektivem Crew-Management. Unterhaltsam, alltagsnah und mit dem Ziel, dass die Teilnehmer ihr neues Wissen sofort umsetzen können.
Alle Infos dazu gibt es auf www.boot.de (siehe Programm/Seminare)
Fünf Tipps gegen Seekrankheit
Seekrankheit mag hartnäckig sein, doch in den seltensten Fällen ist sie unbesiegbar. Wer versteht, was im Körper passiert, und gezielt vorbeugt, kann das Bordleben wieder genießen. Oder anders gesagt: Der Weg von „seekrank“ zu „seefit“ ist kürzer, als viele denken – und beginnt oft mit dem richtigen Wissen.
Von: Stefanie Kamke und Presseteam Messe